Der NVS war Gastgeber der Delegiertenversammlung von BirdLife Thurgau am 21. März 2026 auf dem Arenenberg. Mitglieder aller 20 Sektionen von BirdLife Thurgau waren eingeladen.
Medienmitteilung vom 21. März 2026
Arenenberg: die ideale Umgebung für die Delegiertenversammlung von BirdLife Thurgau Samen, Sorten, Pflanzen und die ganze Umgebung liess Anja Ackermann auf Ihrem Rundgang durch Obstgärten, Ställe und Weinberge des Arenenberg aufleben und erklärte einer interessierten Gruppe von über 40 Naturschützenden aus allen Sektionen von BirdLife Thurgau (früher unter dem Namen Thurgauer Vogelschutz bekannt) Ihre Arbeit als Beraterin für Obstbau und Biodiversität.
Die zweistündige Führung und auch die Delegiertenversammlung wurden vom Natur- und Vogelschutzverein Steckborn, einer Sektion von BirdLife Thurgau, organisiert, deshalb begrüsste die Co-Präsidentin Maya Willi die Anwesenden. «Monokultur im Kopf wird heute mit Diversität und Vielfalt gefüllt» waren Ihre einleitenden Worte. BirdLife Thurgau hat zusammen mit den Verantwortlichen des Arenenbergs verteilt auf dem Gelände Nistkästen für Schleiereulen, Wiedehöpfe und weitere Vogelarten montiert. Auch Mehlschwalben und Fledermäuse finden auf dem Areal ihr Quartier. Das Team des Arenenberg legt Wert darauf, dass Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen sowie Hecken nie weiter als einen «Steinwurf» voneinander entfernt auf dem Gelände verteilt sind. Exemplarisch türmt sich ein Steinhaufen für Mauswiesel auch direkt vor dem Schulgebäude.
Der Schul- und Gutsbetrieb umfasst 35 ha landwirtschaftliche Nutzfläche für Milchwirtschaft, Acker- und Futteranbau. 35% davon sind als Biodiversitätsflächen ausgeschieden, davon 10% in der höchsten Qualitätsstufe (Qualitätsstufe II). 2026 wurde nach einer längeren Umstellung der ganze landwirtschaftliche Betrieb auf dem Arenenberg als Biobetrieb zertifiziert.
Der neu gepflanzte Obstgarten wurde besichtigt, der mit Nisthilfen für Wildbienen und Vögel aufgewertet wurde. Sieben von 40 Zeigerpflanzen müssen vorkommen, damit eine Fläche als biodivers ausgewiesen werden kann. Im Sommer kann man deshalb Flockenblumen neben wildem Salbei bewundern. Auch flexibel geschnittene Wiesen tragen - gemäss einer Masterarbeit, die auf dem Arenenberg erarbeitet wurde – zur Biodiversität bei. Bei diesen Flächen erfolgt der Schnitt nicht nach einem sturen Zeitplan, sondern richtet sich nach der Blühzeit des Wiesenpipau für den 1. Schnitt und sechs Wochen danach erfolgt dann der 2. Schnitt. Dies fördert rot/violette Blüten, die besonders für Schmetterlinge wichtig sind.
Am Kuhstall (die Kühe können sich selbst von einem Melkroboter nach Bedarf melken lassen und danach selbständig auf die Weide zurückgehen) vorbei wurde die Gruppe von Anja Ackermann zu den Schlossgärten und in den Weinberg geführt. Die Schlossgärten sollen historisch genau den Gartenbau der vergangenen Jahrhunderte abbilden und zeigen deshalb auch exotische Pflanzen. Besonders stolz sind die Gärtner auch auf die Duftrose «Arenenberg». Der Weinberg hingegen wird biologisch bewirtschaftet. Es wird mit PiWi-Sorten experimentiert und in jeder zweiten Reihe ein Blühstreifen gezogen. Der Steilhang direkt unter dem Schloss gegen Westen weist einen raren Magerrasen (Trockenwiese) auf, die anderen Steilhänge werden mit Schafbeweidung gepflegt.
Nach 14 Uhr eröƯnete Jack Rietiker, Geschäftsleiter Arenenberg, mit einem Grusswort zum Thema «Erlebnisse und Rituale in der Natur» die Veranstaltung und hoƯte, dass auch das Leitbild des Arenenbergs «Echt, inspirierend, herzlich» der BirdLife Thurgau Delegiertenversammlung Schwung verleiht.
Danach wurde die oƯizielle Delegiertenversammlung mit 69 Stimmrechten von Co-Präsident Beat Leuch mit den zehn Vorstandsmitgliedern eröffnet. Nach einer Schweigeminute für das im letzten Jahr verstorbene Ehrenmitglied Ida Marbach wurde der 70-seitige Jahresbericht 2025 von BirdLife Thurgau vorgestellt. Darin abgebildet ist auch die enorme Arbeit aller Sektionen.
Im Traktandum Finanzen war es besonders wichtig, die Zukunft der Geschäftsstelle (betreut durch Nina Moser und Nadja Dietrich) auf eine sichere finanzielle Basis zu stellen. Mit nur einem Gegenvotum wurde der Erhöhung des Beitrags an BirdLife Thurgau per 2028 zugestimmt. Die Geschäftsstelle ist nun bei Pro Natura Thurgau in Weinfelden eingemietet (Markus Bürgisser, Geschäftsstellenleiter von Pro Natura Thurgau war ebenfalls anwesend und betonte die ausgezeichnete Vernetzungsmöglichkeit) und somit sehr gut erreichbar.
Die politische Dimension der Naturschutzarbeit kann heute nicht mehr allein von über den Kanton verstreuten Freiwilligen oder von einem ehrenamtlich arbeitenden Vorstand bewältigt werden. Um eine gewisse Schlagkraft zu entwickeln und auch um als Teil der BirdLife-Familie (mit BirdLife Schweiz und BirdLife International) wahrgenommen zu werden, muss eine Geschäftsstelle in Arbeitsgruppen und an Vernehmlassungen teilnehmen sowie Koordinationsaufgaben von Projekten wie das Heckenaufwertungsprojekt für den Neuntöter übernehmen können. Bei diesem Projekt geht es darum pro Jahr 1 km dornenreiche Hecken neu zu pflanzen oder aufzuwerten und somit bis 2032 möglichst die Brutpaare der Neuntöter zu verdoppeln. Wie immer im Naturschutz ist der Schutz oder die Förderung einer Art gleichzeitig die Förderung eines ganzen Netzwerks von Arten: Pflanzen, Insekten, Vögel und nicht zuletzt Förderung von Erholungsraum für Menschen.
Die Vernetzung in der Schweiz wurde auch durch die Information, die Stefan Bachmann von BirdLife Schweiz vorstellte, besonders hervorgehoben. Besonders wichtig sind dabei. Nach den Rücktritten der langjährigen Vorstandsmitglieder: Jakob Rohrer (im Vorstand seit 1999), Mathis Müller (seit 1998, gleichzeitig Kantonsrat) und Beat Leuch (seit 2011), die alle zu Ehrenmitgliedern mit besonderen Verdiensten um den Thurgauer Vogelschutz ernannt wurden, setzt sich der Vorstand von BirdLife Thurgau nun aus folgenden Personen zusammen: die Co-Präsidenten Regula Wendel und Jonas Keller, Helmut Reif (Finanzen) und Marcel Bachmann (IT, neu) sowie Marco Bertschinger, Cilia Besançon, Andrej Binz (neu), Ruedi Lengweiler, Silvia Rosser (Aktuarin, neu) und Stephan Steger. Unter Diversem wurde von Monika Brühwiler (BienenSchweiz) auf die drohende Gefahr und die Bekämpfungsmöglichkeiten der Asiatischen Hornisse hingewiesen, die während der Brutzeit wahllos sehr viele Insekten vernichtet und sehr aggressiv ist. Die nächste Delegiertenversammlung von BirdLife Thurgau findet zum 100-Jahr-Jubiläum der Sektion in Pfyn statt.
Die Versammlung wurde kurz vor 17 Uhr durch Jakob Rohrer mit den Worten von Hilde Domin geschlossen: «Nicht müde werden, sondern dem Wunder – leise wie einem Vogel - die Hand hinhalten. die Mitmachangebote, die die Sektionen den Menschen vor Ort bieten, denn nur was man kennt schützt man.

