Federleicht und geheimnisvoll, die Schleiereule interessiert

06.04.2026

Vortrag und Jahresversammlung 2026 beim Natur- und Vogelschutz Steckborn und Umgebung. Im Rahmen seiner Jahresversammlung lud der NVS zum Vortrag über die Schleiereule und ihre Probleme und Förderung im Kulturland ein.

 

Bettina Almasi, Biologin an der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach, zog die rund 50 Besucher in den Bann der Schleiereule. Schnell spürten die Zuhörer die Liebe und Begeisterung für diesen scheuen, selten gesehenen und farbigen Eulenvogel. Seit über dreissig Jahren ist B. Almasi in der Westschweiz für die Vogelwarte mit der Erforschung und Förderung der Schleiereule betraut. Als Kulturfolger hat sich die Schleiereule stark an das Leben mit dem Menschen angepasst. Sie nutzt Scheunen für die Aufzucht ihrer Jungen und im Winter als Schutz und Nahrungsquelle. Es ist aber auch der Mensch, der ihr das Leben schwer macht. Eintönige Landschaft ohne Strukturen macht das Jagen schwierig, Pestizide belasten ihre Nahrung, Lichtverschmutzung schränkt ihre Brut- und Jagdgebiete ein.

Im Gegensatz zu anderen Standvogelarten bleibt die Schleiereule auch in strengen Wintern ihrem Revier treu. Liegt zehn Tage und mehr eine geschlossene Schneedecke, wird es schwierig.

Bettina Almasi begleitet die Zuhörenden durch ein Schleiereulenjahr. Im späten Winter beginnen Paarbildung und Nistortbezug. In geeigneten Scheunen nehmen Schleiereulen gerne Nisthilfen an. Dort legt das Weibchen etwa alle zwei Tage ein Ei, bis ein Gelege von 6-11 Eiern fertig ist. Schon beim ersten Ei beginnt sie mit dem Brüten, welches für jedes Ei 32 Tage dauert. Das Männchen versorgt seine Partnerin und dann auch die frisch geschlüpften Küken mit Mäusen. In den ersten Wochen müssen diese von der Mutter zerrupft und verfüttert werden. Nach 60 Tagen Pflege werden die ersten Flugversuche unternommen.

Immer wieder fallen im Vortrag Begriffe wie Biodiversität, vielfältige Strukturen, Sitzwarten, Pestizidverzicht. Bettina Almasi betont eindringlich die Notwendigkeit einer hochwertigen Landschaft für die Schleiereule.

Schleiereulennistkästen werden auch von Turmfalken gerne genutzt. Im vergangenen Jahr konnte B. Almasi bei einem europäischen Forschungsprojekt, das die noch unbekannten Zugstrategien der Turmfalken erforscht, teilnehmen. Im Thurgau wurden 23 junge Turmfalken mit kleinen Sendern ausgestattet. So konnte beobachtet werden, dass viele der Jungvögel im Herbst zuerst in der näheren Umgebung blieben, dann aber den Weg Richtung Spanien unter die Flügel nahmen, um dort das Mittelmeer zu überqueren. Im Moment befinden sich die Falken auf dem Heimzug. Einer von ihnen sendete am 20. März Signale aus Spanien, am 26. März war er bereits «daheim» in Weinfelden. Hoffen wir, dass auch «unsere sechs Falken» aus dem Betreuungsgebiet des NVS wohlbehalten aus Afrika zurückkehren.

Nach dem spannenden Vortrag war es Zeit für die Jahresversammlung des NVS.

25 Mitglieder und vier Gäste konnte die Co-Präsidentin, Maya Willi, begrüssen. Zügig wurden die Traktanden behandelt. Die Neuwahl von Ralph Stoop in den Vorstand und die Bestätigungswahl des bestehenden Vorstandes (Nina Moser, Maya Willi, Co-Präsidium/ Lili Ulrich, Aktuarin / Rolf Gsell, Kassier/ Natalie Messmer, Johannes Hanhart) gehörten nebst Jahresbericht 25 und Jahresprogramm 26 zu den wichtigsten Traktanden.

Marco Bertschinger, Vorstand BirdLife Thurgau, bedankte sich für die gelungene Delegiertenversammlung auf dem Arenenberg (Bote vom Untersee, 28. März) und machte auf das neue Projekt «Aufleben Natur» mit Fokus Siedlungsraum von BirdLife Schweiz aufmerksam.

Zum Schluss der Versammlung stellte Johannes Hanhart den «Vogel des Jahres 2026», den Eisvogel, vor. Nach dieser abwechslungsreichen Versammlung fand der Abend bei Brot und Käse einen gemütlichen Abschluss.

Interessierte finden auf der Homepage des NVS alle wichtigen Informationen. Anlässe werden immer auch im Bote vom Untersee angekündigt.